Fünf Wege zur Förderung von Inklusion im ländlichen Raum
Der Weg in ein Beschäftigungsverhältnis oder in die Selbstständigkeit bleibt für Menschen mit Behinderung eine Herausforderung. Obwohl jeder Sechste Mensch auf der Welt eine Behinderung hat, sind nur ein Drittel von Ihnen erwerbstätig. Ein Großteil dieser marginalisierten Gruppe lebt auf dem Land und hat keinen Zugang zu den Möglichkeiten, die sich im urbanen Raum bieten. Um der Landbevölkerung eine stabile Lebensgrundlage und ein sicheres Einkommen zu ermöglichen, bietet die Landwirtschaft Potential.

Barrierefreie Beratung und Schulung
Wissen ist der Schlüssel zur Transformation von Agrar- und Ernährungssystemen. Doch für Landwirtinnen und Landwirte mit Behinderungen bleibt der Zugang zu Schulungen und Beratungen oft versperrt – durch fehlende barrierefreie Infrastruktur, unzugängliche Kommunikationsformate oder finanzielle Hürden. Dabei sind Wissen und Austausch essenziell, um nachhaltige und produktive Anbaumethoden zu etablieren. Ein Weg zu einer flächendeckend inklusiven Landwirtschaft führt über den physischen Zugang zu Lernorten, zum Beispiel durch Rampen, taktile Wege und die unmittelbare Anbindung an Gemeinden. Außerdem stärken maßgeschneiderte Schulungsmaterialien, lokale Beratungsangebote und finanzielle Unterstützungsmechanismen den gleichberechtigten Zugang zu Schulungsangeboten.

Finanzielle Teilhabe für alle
Kleinbäuerinnen und Kleinbauern benötigen Kredite, Versicherungen und Sparmöglichkeiten, um ihre Betriebe zu sichern und zu modernisieren. Doch für viele Landwirtinnen und Landwirte mit Behinderungen sind geeignete Finanzmodelle unerreichbar, was erhebliche Auswirkungen auf ihre Fähigkeit hat, über die Subsistenzlandwirtschaft hinauszugehen. Flexible Kreditmodelle, barrierefreie Finanzdienstleistungen und digitale Bankanwendungen können diesen Herausforderungen entgegenwirken. Durch gemeindebasierte Spargruppen, kollektive finanzielle Bildung und Partnerschaften mit Organisationen von Menschen mit Behinderungen (OPDs) kann der Zugang zu Krediten zusätzlich gefördert werden. Auf staatlicher Ebene helfen gezielte Subventionen, ein Finanzsystem zu etablieren, das niemanden zurücklässt.

Mechanisierung und Digitalisierung ohne Ausschluss
Moderne Landtechnik steigert Produktivität und Nachhaltigkeit, besonders, seit neue Technologien wie KI und Smart Farming die digitale Wende eingeleitet haben. Doch für Landwirtinnen und Landwirte mit Behinderungen ist moderne Technik oft unbedienbar. Traktoren, Erntemaschinen oder Bewässerungssysteme müssen anpassbar sein. Ebenso müssen Apps, Online-Marktplätze und digitale Schulungsangebote barrierefrei gestaltet sein. Finanzielle Anreize für inklusive Mechanisierung sind ebenso nötig wie politische Anreize für Hersteller, ihre Produkte barrierefrei zu gestalten. Zudem sind der Ausbau eines flächendeckenden 5G-Netzes und ein garantierter Zugang zu Echtzeit-Informationen und Netzwerken unabdingbar. Die effizienteste Methode für Forschung und Entwicklung besteht darin, Menschen mit Behinderungen direkt in den Forschungsprozess einzubeziehen. So kann Technisierung ein Motor für mehr Inklusion werden.

Starke Gemeinschaften durch Genossenschaften
Stigmatisierung und Diskriminierung von Menschen mit Behinderungen in ländlichen Gemeinden führen in vielen Entwicklungsländern dazu, dass sie aus der Gemeinschaft und lokalen Strukturen wie landwirtschaftlichen Genossenschaften und Erzeugergemeinschaften ausgeschlossen werden. Strukturelle Änderungen in diesen Organisationen können diese Hürden abbauen. Sie müssen stärker in die Pflicht genommen werden, die Belange von Menschen mit Behinderungen im Agrarsektor lokal und national zu vertreten und sie durch Aufklärungsarbeit innerhalb der Belegschaft zu gleichwertigen Mitgliedern zu machen. Die Sensibilisierung der breiten Bevölkerung in Bezug auf Stigmatisierung kann durch Methoden zur Änderung des sozialen Verhaltens dazu beitragen, Stereotype zu überwinden.

Offene Märkte und Agribusiness für alle
Ohne Marktzugang bleibt landwirtschaftliche Produktion unrentabel. Ein Gespür für unternehmerisches Geschick ist daher ein großer Vorteil für die Wettbewerbsfähigkeit von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern. Für viele LandwirtInnen und UnternehmerInnen mit Behinderungen ist es jedoch schwer, ihre Erzeugnisse zu verkaufen – die Hürden sind zu hoch, um Kapital, Wissen oder Marktchancen zu erhalten. Fehlende Transportmöglichkeiten, unzugängliche Marktinfrastruktur und mangelnde Netzwerke erschweren den Weg. Inklusive Wertschöpfungsketten und eine barrierefreie öffentliche Beschaffungspolitik können Abhilfe schaffen. Auch Förderprogramme für Existenzgründungen, barrierefreie Ausbildungsangebote und Mikrokredite sind essenziell. Zugleich braucht es lokale Lösungen: gemeinschaftliche Verkaufsstrukturen, digitale Handelsplattformen und inklusive Vertriebsnetzwerke. Vor- und nachgelagerte Bereiche wie Saatgutproduktion, Verarbeitung oder Logistik bieten vielfältige Chancen für inklusive Geschäftsmodelle.